Die Problematik der ungelösten Konflikte


Prinzipiell muss zunächst gesagt werden, dass der Sinn unserer immer neuen Inkarnationen in einem physischen Körper dazu dienen, Erfahrungen anhand von Konfliktsituationen zu sammeln und uns so weiterzuentwickeln. Man könnte das etwa mit dem Bild eines Diamanten im Schleifprozess vergleichen: Es braucht eine ganze Menge harter und scharfer Werkzeuge und Feilen um ein so widerstandsfähiges Material wie einen Diamanten in Form zu schleifen, so dass er am Ende schön und gleichmäßig und klar ist.

Immer wieder gelangen wir jedoch in unseren Leben in Situationen, in denen wir mit Konflikten umgehen müssen, die uns scheinbar nur das Dasein erschweren und überhaupt keinen Sinn haben. Oft haben wir keinerlei Aussicht darauf, solche Konflikte innerhalb unseres derzeitigen Lebens zu lösen, zumeist weil wir noch nicht die nötige Entwicklungsstufe erreicht haben oder weil wir einfach durch unser Naheverhältnis zu der Problematik so voreingenommen sind, dass es keine Möglichkeit gibt, sich davon zu distanzieren und so das Problem zu lösen.

Dazu lässt sich folgendes sagen: Die meisten Konflikte lassen sich nicht in einem Leben auflösen. Viele Problematiken tragen wir viele, viele Inkarnationen lang mit uns herum, ehe wir die richtige Entwicklungsstufe und Situation erreichen, in der sich das lästige Problem endgültig beseitigen lässt.

Was wir dabei nicht vergessen dürfen ist, dass wir oft völlig unverschuldet und ohne eigenes Zutun in solche konfliktträchtigen Situationen gelangen. In vielen Fällen sind es vielmehr Menschen die uns persönlich nahestehen, die das für uns erledigen. Auch wenn man nun vielleicht geneigt ist, diesen Menschen gleich mangelnde geistige Entwicklung vorzuwerfen (wobei dies natürlich niemals ein echter Vorwurf sein kann) und ihnen die Schuld an der Situation zu geben, sollte man bedenken, dass diese Menschen uns in Wirklichkeit einen Gefallen tun, denn sie sorgen dafür, dass wir in unserem Leben mit den Problemen konfrontiert sind, die uns dazu bringen, uns weiterzuentwickeln.

Da wir im Laufe unserer Existenz immer mehr und mehr verschiedene Erfahrungen machen und genauso immer mehr und mehr potentielle Konflikte abhaken, werden die Probleme, die wir für eine weitere Entwicklung benötigen, auch immer spezifischer. Daher kommt es dazu, dass wir gerade in späteren Entwicklungsstadien hartnäckig mit dem immer gleichen, sehr ähnlichen Problemen konfrontiert werden, die durch die Hilfe unserer nächsten Menschen - zumeist ebenfalls in mehreren Leben hintereinander immer auf die gleiche Weise - herbeigeführt werden. Wir tun übrigens genau dasselbe für andere Menschen, meist ohne unser Wissen.

Zwei Dinge muss man hierbei aber vermeiden, nämlich einerseits übertriebene Selbstkritik an der eigenen Entwicklung, andererseits übertriebene Nachsicht gegenüber dem Verhalten anderer Menschen. Wie überall im Leben ist auch hier die goldene Mitte der vermutlich beste Weg. Selbstkritik an der eigenen Entwicklung ist nämlich niemals geboten - jeder Mensch hat sein eigenes Tempo, das niemals richtig oder falsch sein kann und sich auch nicht mit dem Tempo irgendeines anderen Menschen vergleichen lässt, da ja jeder völlig unterschiedliche persönliche und von außen hinzukommende Voraussetzungen hat. Jemand, der neben dem Mutterkomplex auch noch an einem starken Minderwertigkeitskomplex arbeitet wird weniger schnell vorankommen, also jemand, der bereits in einem früheren Leben ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln konnte. Das Tempo, dass wir an den Tag legen, ist also immer ganz genau richtig und niemals falsch. Und wenn Sie nicht alle ihre Probleme in diesem Leben lösen können, dann tun Sie es halt im nächsten - da ist gar nichts dabei.

Die zweite Falle liegt wie bereits erwähnt darin, anderen Menschen alles zuzugestehen, in der Annahme, sie könnten nichts dafür dass sie so sind wie sie sind und würden einem dadurch ja nur helfen. Dies gilt nur in Maßen. Jeder Mensch ist nämlich zu einem gewissen Grade verantwortlich für seine Handlungen - wenn zwei Menschen in ihrer Kindheit Alkoholmissbrauch und Schläge erfahren, haben sie doch beide die Wahl, ob sie später umso vorsichtiger im Genuss von Alkohol und gute Elternteile sind, oder ob sie die Familiengeschichte fortführen und sich später ebenfalls betrinken und ihre Kinder schlagen.

Ebensowenig müssen Sie jedes Verhalten von anderen Menschen tolerieren, denn auch sie haben eine Wahl, wie sie sich verhalten - egal welche Komplexe dahinterstehen. Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Menschen schädigende Handlungen unbewusst setzen oder dies nur tun, um eigene notwendige Interessen zu wahren (wenn Ihre kranke Mutter sich aus Rücksicht auf ihre Gesundheit weigert, auf Ihr kleines Kind aufzupassen wenn sie weggehen wollen, dann ist das eine gerechtfertige Weigerung, die ja trotzdem zu einem Problem für Sie führt, da Sie so möglicherweise um ihren - womöglich ebenso notwendigen - Ausgleich zu Ihrem Alltag kommen.) - und das sind diejenigen, die sie zwar nicht unbedingt tolerieren (vielleicht redet sich die Mutter ja die ständigen Krankheiten auch nur ein und macht sich dadurch selbst das Leben schwer?), aber ihnen doch zumindestens nachsichtig gegenüber stehen sollten. Keiner hat hingegen das Recht, Sie bewusst schlecht zu behandeln oder in den Schmutz zu ziehen - denn das tun Sie ja (hoffentlich) auch nicht.




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